Hans Klotz: Die Ornamentik der Klavier- und Orgelwerke von J. S. Bach
Ausgabe der Zunft Ungarischer Instrumentenbauer / Magyar HangszermÃves Céh MHMC, Budapest 2009
Rezension von Zoltán Kocsis, Klavierkünstler und Dirigent des Ungarischen Staatlichen Philharmonischen Orchesters
Budapest, 17. Mai 2010
'Beherzigenswert' — Mit diesem Wort eröffnet Alfred Dürr (1985 Musica), weltberühmter Bach-Forscher, seine Kritik, die er über das Buch von Hans Klotz geschrieben hat. Zudem bezeichnet Christoph Wolff, der andere Riese der Bach-Forschung (Bach-Jahrbuch 1989), als er den Aufbau des Werkes würdigt, das Werk als 'überaus klar und nützlich'.
Nun können wir endlich wenn auch mit einer Verspätung von 25 Jahren dieses Grundwerk in der Hand halten. Das wiederum auf Grund des Einsatzes von Sebestyén NyÃrö. Tatsächlich geht es im Buch von Hans Klotz endlich um die Praxis. Das spiegeln die unzähligen Erklärungsbeispiele der Ausführung (444 an der Zahl), die Reihe der Zitate, welche die Ästhetik der damaligen Zeit ausdrücken sie alle sind das Ergebnis einer mehrere Jahrzehnte langen Arbeit. Noch zu allem dazu hat dieses Werk die Laufbahn von Hans Klotz gekrönt, der von Albert Schweitzer und Charles-Marie Widor auf seinen Weg geschickt wurde. Die Verdienste von Klotz als zweifellos hervorragender Organologe und Orgelbauer vermindern nicht, sondern im Gegenteil, mehren nur den Wert der musikwissenschaftlichen Arbeit des praktisch orientierten Musikers und theoretischen Fachmannes.
Die ausgezeichneten Qualitäten der ungarischen Ausgabe des Buches ermöglichen eine schnelle Suche, die die Suche in Lexika wettmacht: die bunte Registrierung, erkennbar schon an den Seiten des Buches, die Ordnung der Werke durch ein Register, die marginellen Gedankeneinheiten, die Nummerierung der Noten-Beispiele, das Namensverzeichnis, die Markierungen, all das lässt den praxisorientierten Musiker sich schnell zurecht finden in der Fülle des Stoffes, wenn er unter Zeitdruck kommt.
Die Übersetzung des Buches, seine Strukturierung, seine ganze Ausführung (mit Ausnahme der Lektorierung) ist das Resultat der Erbring-ung des persönlichen Opfers von Sebestyén NyÃrö, meines Pianisten-Kollegen. In Kenntnis der ursprünglichen Arbeit kann ich bezeugen, dass das Buch zu den Veröffentlichungen höchsten Nieveaus gehört; seine Noten-Beispiele sind gestochen scharf, überblickbar und die sprachliche Eigentümlichkeit des Textes der Übersetzung ins Ungarische lässt scheinbar den fremden Anflug sprachlicher Ausdrücke, die bei Fachübersetzungen fast unvermeidlich ist, vergessen.
Die tiefgründige Kenntnis der Verzierungskunst von J. S. Bach ist Sache des Gewissens eines jeden Pianisten.
Die Übertragung des Geistes und der Werke des Komponisten-Riesen auf anspruchsvollste Weise ist keine nebensächliche Frage, schon Bartók hat sich eingehend damit beschäftigt (bei seiner Herausgabe der 'Kleinen Präludien' sowie der Reihe 'Das Wohltemperierte Klavier'). Bartók wollte den Genius von Bach verstehen und hat dafür unermüdlich getan, was er tun konnte.
Dass dies nun auch wir tun können, ist durch die gediegene Arbeit von Sebestyén NyÃrö für jeden ungarischen Pianisten möglich geworden.
Wir wollen somit (auch) hierin Bartók folgen.
Zoltán Kocsis