Romantische Religiosität
03. Januar 2011, von Roswitha Frey
Musik zum Jahreswechsel in der Kirche St. Georg in Weil. [Am 2010. 12. 30.]
Nicht von ungefähr wird das Oratorium "Elias" auch Mendelssohns "ungeschriebene Oper" genannt. Denn manche Arie daraus hat durchaus opernhafte Wirkung und man kann sich das gut auf einer Bühne vorstellen. Das war jetzt bei der Musik zum Jahreswechsel in der Kirche St. Georg in Weil-Haltingen zu hören, wo Eva Csapó auch Arien aus dem "Elias" sang. Die Schweizer Sängerin ungarischer Herkunft erfüllte Mendelssohns Musik in "Lasst uns singen von der Gnade des Herrn" und in der tröstlichen Arie "Sei stille dem Herrn" mit viel Wärme und romantischer Religiosität. Besonders eindrücklich gelang ihr die Arie "So ihr mich von ganzem Herzen suchet" mit ihrer schwärmerischen, emphatisch geschwungenen Melodie.
Neben Mendelssohn sang die Sopranistin Telemanns "Jauchzet, frohlocket, der Himmel ist offen", einen mit Koloraturen angereicherten Jubelgesang, sowie einige weihnachtliche Melodien. "Ein Stern strahlt in der dunklen Nacht", ein Lied von den Bahamas, besingt in einer schönen, froh stimmenden Melodie den Zauber des Lichts in der Nacht. Auch das altfranzösische Weihnachtslied "Hoch am Himmelsbogen leuchtet das Licht der Sterne" beschwört in einem Lobgesang die Friedensbotschaft von Christi Geburt.
Zwei junge Musiker gestalteten mit Instrumentalwerken von Bach bis Mozart dieses Konzert zum Jahreswechsel mit: Der Organist und Pianist Sebestyén Nyírö,
der an der University of Connecticut studiert, eröffnete den Abend mit Bachs Präludium und Fuge BWV 870 in sehr flüssigem, dynamischem Spiel. Klanglich feinfühlig interpretierte Nyírö an der Orgel zwei der Bachschen Goldberg-Variationen über eine Aria, darunter die lyrische 13. Variation mit ihrer anmutigen, schön verzierten Melodie. Ruhig, fließend, in zarten, gedämpften Farben ließ der Organist Brahms' Choralbearbeitung "Befiehl du deine Wege" erklingen.
Der aus Siebenbürgen stammende junge Geiger Máté Visky gefiel in einem Andante von Mozart KV 315 mit prägnant-klarem Ton. Auch in einem Mozart-Rondo KV 184 beeindruckte er durch den tänzerischen Charme und legte mit seinem Klavierpartner einen rechten Schwung vor. In einer Pastorale von Rheinberger zeigte Máté Visky, dass er seine Violine auch weich "singen" lassen kann.
Mit der berühmten Toccata aus Widors fünfter Orgelsymphonie, das mit seiner steten motorischen Steigerung einen richtigen Sog erreicht, setzte Sebestyén Nyírö einen kraftvollen Orgel-Schlusspunkt zum Jahresausklang.
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